Tinnitus

Ein Tinnitus äußert sich als permanenter Ton oder dauerhaftes Geräusch im Ohr, der länger als 24Stunden anhält. Häufig einher geht dieses Geräusch mit einem nicht immer wahrnehmbaren Hörverlust in diesem Frequenzbereich (Hörsturz). In den meisten Fällen handelt es sich um eine Fehlverarbeitung von akustischen Signalen im Ohr und/ oder Gehirn. Auslöser kann beispielsweise starker Lärm sein, aber auch psychischer Stress oder organische Erkrankungen, die zu einer Überstrapazierung des Innenohres führen, kommen als Ursachen in Frage. Letztlich gibt es über 200 Erkrankungen, die mit dem Symptom „Tinnitus“ einhergehen können, weshalb nach einer HNO-ärztlichen Untersuchung bei entsprechendem Verdacht Zusatzuntersuchungen bei weiteren Fachärzten wie z.B. Orthopäde, Neurologe, Internist, Zahnarzt, Psychiater notwendig sein können. Fehlt es an einer rechtzeitigen individuellen Diagnostik und Therapie, wird der Tinnitus bei der Hälfte der Betroffenen in der Regel nach etwa 3 Monaten zu einem chronischen Zustand. Begleiterscheinungen solcher chronischer Verläufe können innere Unruhe, Konzentrationsstörungen, Depressionen und Schlafstörungen sein. Dies kann bis zur Arbeits- oder Berufsunfähigkeit führen, sodass ein normales Leben für den Betroffenen nur noch mit erheblichen Einschränkungen oder vorübergehend gar nicht mehr möglich ist.

Nach dem ersten Auftreten eines akuten Tinnitus sollte ähnlich wie beim Hörsturz zeitnah innerhalb von zwei Wochen eine Therapie eingeleitet werden, denn dann besteht die Chance, diese Innenohrstörung mit hohem Belästigungspotential wieder zu beheben.

In einem ersten Therapieansatz steht die Medikamenten-Therapie im Mittelpunkt. Die Behandlungsoptionen sind mit denen beim Hörsturz vergleichbar. Zunächst können oral verabreichte Medikamente (Ginko-Präparate, Prednisolon-Tabletten) eingenommen werden. Bei ausbleibender Wirkung ist die Infusionstherapie mit hochdosierter Kortisongabe über 3-4 Tage empfohlen.  Unterstützt werden kann dieser Effekt durch eine hochkonzentrierte Gabe mit reinem, ionisierten Sauerstoff (Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie = SMT). Sollte dann immer noch ein Hördefizit bestehen, ist die intratympanale Injektion in Lokalanästhesie von kleinen Mengen Dexamethason hinter das Trommelfell (ITSI) eine häufig noch rettende Reservetherapie. Alle vorgenannten Therapieoptionen sind  Leitlinien-Empfehlungen der Deutschen HNO-Gesellschaft.

Sollten all diese Bemühungen erfolglos bleiben, gibt es auch für einen chronischen Tinnitus erfolgversprechende, individuelle Therapiemassnahmen. Allerdings führen diese in der Regel nicht mehr zur Beseitigung der Ohrgeräusche. Diese beinhalten physiotherapeutische Maßnahmen, psychosomatische Behandlungsansätze, Maßnahmen zum Stressabbau, Geräusch- oder Klangtherapie und technische Hilfsmittel. Hierzu leiten wir sie gezielt an erfahrene, vertrauenswürdige Spezialisten (Tinnituszentrum der Charite) weiter.